Design Thinking

Bereit zur digitalen Innovation? Dann scheitere schnell, oft und früh!

By 17. März 2016 No Comments

Hernsteiner 01/15: Kreativ, menschlich und umsetzungsorientiert. Design Thinking wird von Führungskräften als Innovationsmotor entdeckt. Wird bei einer Versicherung nach einer Lösung für das Angebot der Zukunft gesucht, arbeiten in der Regel Experten zusammen, Produktentwickler, Analysten und Controller. Alle aus demselben Dunstkreis. Was würde passieren, würde man einen Kunden und einen Studenten in diese Szene setzen? Zusätzlich würde man Whiteboards, Post-its und Bausteine zur Verfügung stellen, an Stehtischen arbeiten und Hierarchien abschaffen. Das Ergebnis wäre zweifellos spannender als die Lösung des homogenen Teams, das meist von Personen gesteuert wird, die alle einen ähnlichen Hintergrund haben.

Der Artikel ist erschienen im Hernsteiner 01/15. Die Fachzeitschrift für Management- und Leadership-Entwicklung des Hernstein Instituts.

Systematisch Kreativ

Beim Design Thinking dürfen Räume verändert, Hierarchien ausgeblendet und „Nicht-Experten“ zu „Sofort-Experten“ werden. Design Thinking ist ein kreativer und gleichzeitig systematischer Prozess bei dem Unternehmen gemeinsam mit Kunden Produkte und Dienstleistungen entwickeln oder an der Lösung komplexer Fragen arbeiten. Design Thinking bringt ein tiefgehendes und umfassendes Kundenverständnis und ermöglicht damit Ideen und Lösungen, die über das herkömmliche Denken hinausgehen. Das Verfahren orientiert sich an der Arbeit von Designern, die als eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen verstanden wird. Der strenge Fokus auf den Kunden und Nutzer sowie kurze iterative Lern- und Entwicklungsschritte führen zu innovativen und schnell anfassbaren Ergebnissen.

Von Menschen für Menschen

Design Thinking stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Einerseits als Teil eines kreativen, möglichst interdisziplinären Teams, andererseits als Nutzer oder Kunde. Die Zusammensetzung des Teams ist ein Erfolgsfaktor, der dafür sorgt, dass verschiedene Sichtweisen in die Überlegungen Eingang finden. Der Kunde nimmt eine aktive Rolle bei der „Erfindung“ seines Produkts oder seiner Dienstleistung ein. Bei der Kundenintegration setzt Design Thinking auf ein einfaches Prinzip: die Empathie. Die Fähigkeit des Menschen sich in andere hineinzusetzen, mitfühlen zu können. Tatsächlich machen Teams die Erfahrung, dass es zu Beginn erstmals zwei Schritte zurückgeht. Das Verstehen des Problems benötigt viel mehr Aufmerksamkeit als wir ihm in der Regel geben.

Rasch vom Kunden lernen

Ein gänzlich anderes Prinzip, um Kundennähe zu schaffen ist das iterative oder experimentelle Vorgehen. Während der Ideenfindung geht Quantität vor Qualität. Ideen dürfen verrückt sein und anstatt darüber zu diskutieren, werden Ideen möglichst schnell und einfach als Prototyp konkretisiert. Nach dem Motto: „Rede nicht, zeig´s mir!“ entstehen in kurzer Zeit gemeinsam mit Kunden einfache Funktionsmodelle. Erst wenn unbeteiligte Personen mit den Ergebnissen des Kreativprozesses konfrontiert und dazu befragt werden, zeigt sich welche Ideen weiterverfolgt werden.

Komplexes Neu-Denken

Gerade beim „Neu-Denken“ von komplexen Themen wie Zahlen mit dem Handy oder smarten Energiedienstleistungen fällt es dem Kunden in der Regel schwer progressiv voraus zudenken und gewohnte Denkpfade zu verlassen. „Es ist nicht die Aufgabe des Kunden, zu wissen was er will“, formulierte es einst Steve Jobs. Deshalb braucht es entweder ein Genie wie Steve Jobs oder ein Team von neugierigen Menschen, um eine Kundengruppe kennen und verstehen zu lernen und die richtigen Ideen umzusetzen.

Projektarbeit völlig neu denken

Die flexiblen Arbeitsmodi, kollaborative Settings und die enge Abstimmung mit Kunden stellen Führungskräfte und Mitarbeiter vor Herausforderungen. Die Teams benötigen mobiles Mobiliar, vertikale Flächen und Bastel-Material. Die
dynamische Arbeitsweise verlangt nach einem geeigneten Arbeitsklima und ein Umfeld, in dem elegantes und möglichst frühes Scheitern erlaubt ist. Viele Unternehmen verabschieden sich damit vom bekannten „Format Projekt“ und etablieren das „Produkt- oder Service Team“.

Service Teams gestalten neu

Ein Team, das sich ausschließlich einer offenen Fragestellung widmet und ohne Deadline arbeitet. Das Team bekommt Verantwortung und den Raum im Unternehmen selbst Risiken einzugehen und daraus lernen zu dürfen. Vorgangsweisen wie diese
benötigen die Unterstützung des Managements und die Bereitschaft, die Ergebnisse des Teams von der Organisation weiter verfolgen zu lassen. „Design Thinking ist im Großen ein Innovationsbeschleuniger und im Kleinen ein Geduldspiel“ bringt es der Deutsche Unternehmensberater Jürgen Erbeldinger auf den Punkt. Er spricht vom „Ende der Organisation, wie wir sie kennen. Die Aufgabe von Führungskräften ist es Innovationen herbeizuführen. Alles andere lässt sich an Maschinen delegieren.“

Die digitale Welt von morgen

Die Anwendungsfelder von Design Thinking sind heute vielfältig. Konzerne suchen mit der dynamischen Arbeitsweise nach Entscheidungsgrundlagen für unklare Situationen und digitale Strategien. Kommunen nutzen den kollaborativen Ansatz, um soziale Prozesse und Transformationen zu gestalten. Dienstleister optimieren damit ihre Services und arbeiten iterativ an Innovationen. Interessensvertretungen gehen mit Design Thinking völlig neue Wege im Stakeholdermanagement.

Diszipliniert zur Innnovation

Design Thinking spielt bei der Entwicklung von Innovationskultur eine immer bedeutende Rolle. Die Dynamik der Instrumente und Methoden befähigt Mitarbeiter zum „um die Ecke Denken“ und öffnet Tor und Türe ins Herz der Kunden. Jede „Design Challenge“ ist eine Reise für Entdecker, in deren Mitte der Konsument, der Nutzer, der Kunde steht. Design Thinking entfaltet heute seine wahre Kraft in einer Zeit der Krise, in der viele Unternehmen und Führungskräfte mit dem Rücken zur Wand stehen, Produkte das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und Innovationen mehr denn je gefragt sind.

Der Artikel ist erschienen im Hernsteiner 01/15. Die Fachzeitschrift für Management- und Leadership-Entwicklung des Hernstein Instituts.