Experimente im Organisationskontext

Wie können Organisationen agiler werden? Eigentlich gar nicht, wenn man dem Wesen und den Sinn und Zweck von Organisationen Rechnung trägt. Der besteht vor allem in Stabilität und Effizienz. Dennoch gibt es einen Weg, der agilem Denken und Handeln den Weg ebnet: geplantes Experimentieren.

Beim Experimentieren geht es um einen Prozess, für den bestimmte Routinen entwickelt werden, der aber auch eine Offenheit darstellt und einen elementaren Kern des Entwerfens und Gestaltens enthält. In kontrollierter Weise werden kritische Konstellationen des Nichtwissens untersucht, die etwas neues möglich machen. „Was wirklich Neu ist, muss sich einstellen, es muss sich ereignen“, meint Hans-Jörg Rheinberger. Soweit die Theorie.

Momente in denen Neues entsteht

Das klassische Bild des Experimentierens ist vor allem von den Naturwissenschaften geprägt. Architekten begreifen Experimentieren nicht als abgeschlossenen Prozess. Ihre Versuche folgen keinem festgelegten Handlungsablauf, sondern sind offen für Richtungswechsel, Zufall und Intuition. Für die Innovatoren unter uns trifft wohl eher die Definition des erkundenden, hypothesengeleiteten und explorierenden Vorgehens zu. In der unternehmerischen Praxis bedeutet Experimentieren nicht nur kontrollieren, systematisieren, beobachten, messen oder auswerten, sondern auch aushalten, durchqueren, entwerfen, erfahren, improvisieren, ko-laborieren, kombinieren, modellieren, multiplizieren, plausibilisieren, rechnen, simulieren, skalieren, spielen, staunen, ver-proben, oder variieren. Diese unterschiedlichen Praktiken werden zu essentiellen Komponenten des Experimentierens. Und damit zu jenen Momenten in denen Neues entstehen kann.

Neues jenseits bekannter Muster

Ausgangspunkt für agiles Denken und Handeln ist in Unternehmen sehr oft der Versuch, Muster an einem bestimmten Punkt „auszuhebeln“ und eine Regel zwar nicht fahrlässig blind zu brechen, aber so kreativ zu interpretieren, das Erfahrungen in einem quasi neuen Kontext gesammelt werden können. Die Abivalenz die zwischen dem gewohnten Verhalten und der Experimentierlogik entsteht gilt es zuzulassen und auszuhalten. Gesucht sind Erfahrungen, die eine bestehende innere Haltung von Menschen irritieren und damit grundlegende Funktionsprinzipien des eigenen Verhaltens und der Organisation auf die Probe stellen.

Science Center experimenta

Nach dem Motto: „Die ganze Welt an einem Ort“, bietet das Science Center experimenta in Heilbronn eine einzigartige Wissens- und Erlebniswelt für Wissbegierige von drei bis 103 Jahren. Hier können auf 25.000 Quadratmetern alle experimentieren, staunen, kreativ sein und die Welt mit allen Sinnen erkunden.